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Kalender 2024 - Hunde aus dem Tierschutz
Ihre Geschichten

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Juli
Kody, aus dem Tierheim

Dürfen wir vorstellen? American Staffordshire Terrier Kody !

Im Rostocker Tierheim gab es damals die Möglichkeit, ein Tier anonym in einem Nachtzwinger unterzubringen. Diese Möglichkeit wurde in einer Sommernacht 2015 für Kody genutzt. Ohne etwas Wissenswertes wurde er dort einfach zurückgelassen, keine Papiere, kein Alter, keinen Namen. Was hinterlassen wurde, war ein neuer Maulkorb, seine Leine und Halsband. Sein Zustand? Er hatte am ganzen Körper Ausschlag, manche Stellen waren sogar offen, seine Ohren waren stark entzündet und er selbst wirkte völlig verstört und ängstlich. Die Gründe der Abgabe konnte man nur vermuten. 


Ich habe schon viele Erfahrungen mit diesen "Rassen" machen können und mir war klar, irgendwann soll ein solcher Hund bei mir einziehen, ganz gleich was für Auflagen und Vorurteile es gibt, denn diese charakterstarken Wesen mit so großem Herz hatten mich in ihrem Bann gezogen, für mich gab es keine vergleichbare Rasse.

Als ich von einem Bekannten hörte, dass in unserem Tierheim seit ca. 3 Monaten ein Stafford sitzt, war es noch nicht klar, dass JETZT der Zeitpunkt gekommen ist. Obwohl mir Alter, Verhalten und Aussehen nicht bekannt waren, sagte etwas in mir sofort: "DU MUSST IHN SEHEN !" - Also bin ich am nächsten Tag direkt los.

Nach erst vergebener Suche auf der Anlage war er endlich da, im letzten Zwinger innerhalb der alten, kalten Scheune. Auf dem Schild stand: 
Name: Kevin (da hatte sich das Tierheim ja was einfallen lassen) 
Rasse: American Staffordshire Terrier 
Alter: geb. ca Anfang 2014

Ein gestromter, ausgewachsener, aber jung aussehender Hund, der mich vor lauter Unsicherheit anbellte und zitterte, ängstlich und neugierig zugleich war. Nach nur wenigen Minuten und dem tiefen Blick in seine Augen stand für mich schon fest, du kommst du zu mir! Ich hole dich hier raus!

Natürlich ist das mit einem Listenhund nicht so einfach, Behörde hier, Antrag da, Genossenschaft und Mitmieter des Hauses fragen und aus der Familie wusste keiner von meinem Vorhaben. Knapp 2 Wochen vergingen, 3x führte ich ihn in der Zeit aus (diese 3 Male waren eine Vorlage vom Tierheim), und dann endlich! Alles hatte geklappt! Ich durfte ihn mit nach Hause nehmen.

Dann ging es aber erst noch so richtig los, seine Macken und Ängste zeigten sich immer stärker, was für eine geprägte Seele er schon war. Dass ihm viel Böses angetan wurde, war leicht zu erkennen. Er war so ängstlich, unsicher und kannte absolut keine Grenzen. Grundgehorsam? Fehlanzeige. Alles wurde zerstört, es war die reinste Katastrophe ... daher bekam er den Namen "Kackibirne" - weil er einfach nur Scheiße im Kopf hatte.

Es gab Tage, an denen ich völlig verzweifelt und überfordert war, Tränen flossen und ich fragte mich, wie wir das bewältigen wollen? Schaffe ich das überhaupt? Ich konnte und wollte diesen Hund aber nicht aufgeben. Somit verging einige Zeit, auf dem Plan war immer verschiedenstes Training, mit dem Kopf gegen die Wand laufen und immer weiter Bindung und Vertrauen stärken. 

Heute, nach fast 9 Jahren, ist Kody mein Seelenhund. Es zeigte sich, er brauchte mich genauso wie ich ihn! Alles zahlte sich aus! 


Nun klar, seine Vergangenheit, von der wir anhand von Verhalten nur erahnen können, was er durchmachen musste, bleibt bis heute ein Teil von ihm. Kody hat bis heute noch seine Macken, gewisse Situationen sind manchmal noch sehr anstrengend, aber WIR lieben ihn, wie er ist. 

Und das WIR? Nun ja, das bin nun mal ich, Doreen die euch diesen Roman geschrieben hat, mit meinem Partner Felix, ebenfalls seit 2015 an meiner Seite. 


Wir trafen im April 2020 die spontane Entscheidung, dass wir für Kody einen Spielgefährten und Partnerin brauchen, und dann zog Kaya bei uns ein. Sie war ebenfalls nicht einfach, vom Vorbesitzer schon etwas "versaut", aber wir sagten uns, schlimmer kann kein Hund sein. 😉 


Die beiden wurden ein unschlagbares Team, genau so, wie wir es uns erhofft haben; Kaya mit ihrem selbstbewussten Charakter stärkt Kody auch besonders in ängstlichen Situationen. 


Und wie das Schicksal noch seinen Lauf nahm, durfte ich im April 2022 noch ein wundervolles, gesundes Mädchen zur Welt bringen. Jetzt sind wir komplett! Und alle sind miteinander im Einklang. ☺

Es liegen steinige Wege hinter uns, die uns oft stolpern ließen. Aber wir haben immer versucht, andere Wege zu finden und die Steine auf unserem Weg wurden weniger. Wir lernen auch heute noch voneinander und sind froh, unsere beiden Kackibirnen bei uns zu haben. 

Hundefotografie

Juni
Mira, aus Spanien

Mira war ein echter Glücksgriff. Ich war auf der Suche nach einer zweiten Hündin und bin dabei auf Mira aufmerksam geworden. Sie hatte die gleiche Fellfarbe wie meine verstorbene Hündin Coco.

Als wir uns das erste Mal trafen, war es, als ob sie genau wüsste, dass sie nun ein Zuhause gefunden hatte, in dem sie geliebt und umsorgt werden würde. Sie folgte mir auf Schritt und Tritt, immer an meiner Seite und kuschelte sich dicht an mich.

Und so wurde aus der kleinen ängstlichen Hündin, die einst Angela oder Carola hieß, unsere geliebte Mira. Sie brachte so viel Freude und Liebe in mein Leben und ich kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Man sagt, dass Hunde unsere besten Freunde sind - aber Mira ist mehr als das. Sie ist meine treue Begleiterin und mein größtes Geschenk. Ich bin unendlich dankbar, dass ich sie gefunden habe und ich weiß, dass wir für immer zusammengehören.

Hundefotografie

Mai
Bella, aus Montenegro

Über eine Tierschutzorganisation bin ich durch Zufall auf Bella gestoßen und ich kann es nicht erklären, aber dieser eine Hund, der musste zu mir, das war mir sofort klar. Es gab da einfach diese Verbindung, die es bei anderen nie gab. Und dabei stellte sich zunächst raus, dass dieser ängstliche, stark traumatisierte Hund gar nicht zur Vermittlung stand, aus eben diesem Grund. Durch meine Sachkunde nach Paragraf 11 TschG, durfte ich sie dann letztendlich doch bei mir aufnehmen und ihr ein liebevolles Zuhause schenken. 

 

Nachdem es mit dem Transport immer wieder Schwierigkeiten gegeben hatte, habe ich nach 3 Tagen bangen entschlossen, selbst nach Montenegro zu fahren und Bella und die anderen, die auf dem Transport mit sollten, selbst zu holen. Zunächst hat mich keiner ernst genommen, aber als sie merkten, dass ich keinen Spaß mache, saß ich wenig später mit meinem besten Freund im Auto auf dem langen Weg in ein unvergessliches und nervenaufreibendes Abenteuer, voller Angst und Bangen. 

 

Unser erstes Aufeinandertreffen war beängstigend, und kurzzeitig hatte ich ernste Zweifel. 

Bella hat mich nur angebellt und angeknurrt, sobald ich mich auch nur in ihre Richtung gewendet habe. Aber da ich jemand bin, der zu seinem Wort steht, war mir klar, dass ich die Konsequenzen jetzt zu tragen hatte und eine anstrengende und ungewisse Zeit bevorstand, mit sehr viel Training.

Nach einer 25-stündigen Rückreise hat sie aber wohl gemerkt, dass von mir keine Gefahr ausgeht und mit dem Übertreten der Schwelle in ihr neues Zuhause war das Eis gebrochen, wo auch schon Asoka, meine erste Hündin, wartete. Ein erstes Beschnuppern auf neutralem Boden war leider nicht möglich, und Asoka war zunächst überhaupt nicht begeistert über mein „Mitbringsel“. Bella hat mich seltsamerweise von  diesem Zeitpunkt an nie mehr angebellt oder angeknurrt und sogar direkt zugelassen, dass ich sie bade. 

Die erste Zeit war dennoch schwierig, denn sie verbellte und knurrte alles weg, was zwei oder vier Beine hatte und ihr Trauma verursachte Panik in jeglichen Situationen. Nach 5 Minuten vor der Haustür war sie so überwältigt von all den unbekannten Reizen, sodass sie den Rest des Tages in ihrer Höhle verbracht hat und nicht mehr rauskam. Ich entschied, sie erst mal nur in Ruhe zu lassen und sonst einfach nur drinnen erstes Vertrauen aufzubauen und sie ankommen zu lassen. 

Auch körperliche Wunden mussten erst mal heilen und der Magen-Darmtrakt sich an richtiges Futter gewöhnen. Nach etwa 4 Monaten intensiver Zeit miteinander war es mir möglich, sie draußen von der Leine zu lassen, was ich nie als für möglich gehalten habe. 

Das Vertrauen ihrerseits in mich war immens. Ist das Dankbarkeit? Ich weiß es nicht. 

Asoka hatte sie mittlerweile akzeptiert, aber die Begeisterung hielt sich immer noch in Grenzen. 

 

2 Jahre nach ihrer Ankunft bei mir, stellte sich dann heraus, dass Bella Leishmaniose hat und sie grade einen Schub durchmachte.  Auch hier haben wir einige unschöne Monate hinter uns. 

 

Heute, 8 Jahre später, ist Bella ein anderer Hund. 

Lustig, freundlich, verspielt, aufgeschlossen gegenüber anderen Hunden und den meisten Menschen (sie lässt sich teils sogar von Fremden streicheln). Es gibt immer noch Rückfälle, aber mit liebevoller Konsequenz und viel Geduld und Liebe haben wir so viel geschafft. 

Auch die Leishmaniose haben wir so weit im Griff, dass es quasi als negativ gilt und sie somit aktuell medikamentenfrei sein kann. 

Asoka und Bella sind mittlerweile ein Team, sie akzeptieren sich nicht nur, sondern sie brauchen und lieben sich mittlerweile auch. Auch erwische ich sie immer mehr beim Kuscheln und Zusammenliegen. 

 

Unser Familienglück ist seit 2022 perfekt. Allerdings stellte die Geburt meiner Tochter eine neue Herausforderung dar, da Bella Kinder nicht mochte. Auch hier bin ich unfassbar stolz, wie sie mit der Situation umgeht und sich als große Hundeschwester macht. 

 

Bella ist ein unglaublicher Hund und ich bereue nichts. Sie zeigt mir jeden Tag, wie wichtig ein liebevoller Umgang und eine echte Vertrauensbasis sind. Und um nichts in der Welt würde ich irgendwas rückgängig machen wollen.

Bella ist mein absoluter Herzenshund. Mein Seelenhund ist Asoka 😉

Hundefotografie Berlin

April
Rocky, aus Rumänien

Wie wir zu unserem ersten Hund (Rocky) gekommen sind, ist für mich sehr emotional.


Mein Papa wurde 2021 leider schwer krank und hatte sich noch einen Hund gewünscht. Uns war klar, wir wollen einem Hund eine 2. Chance auf ein neues schönes Leben geben. Wir wendeten uns also an eine Organisation und fanden Rocky.

 

Für meinen Papa stand schon immer fest, dass sein erster Hund Rocky heißen soll. Uns standen 3 Hunde zur Auswahl und mein Papa hat sich dann für Rocky entschieden. 4 Wochen später kam Rocky am 27.03.21 mit ca. 2 Jahren (laut unserer Tierärztin eher noch jünger) endlich zu uns. Er war total aufgeschlossen. Die ersten Wochen waren jedoch etwas wild, er hat meinem Papa das Brötchen geklaut, ist zu ihm ins Bett gesprungen und hat uns einige Sachen kaputt gemacht, aber er kannte das Leben als Familienhund einfach nicht.


Wir haben nicht aufgegeben und es hat sich gelohnt! Wir waren gemeinsam spazieren, haben zusammen gegrillt und Rocky war immer an der Seite von meinem Papa. Er hat uns alle zum Lachen gebracht und uns durch diese schwere Zeit begleitet.


Die beiden hatten noch schöne 6 Monate zusammen, bevor mein Papa dann leider verstarb. ♥️


Rocky hat uns jeden Tag aufgemuntert, hat uns geholfen diese schwere Zeit zu überstehen und gab unserem Leben wieder Farbe, wodurch er für mich eine ganz besondere Bedeutung in meinem Leben hat.


Rocky ist der Teil, der mir von meinem Papa noch geblieben ist und ich weiß genau, dass mein Papa Rocky jetzt von oben beschützt. ♥️

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März
Dr. Dre, aus Spanien

Im April 2019 sind wir auf unsere einjährige Europa-Tour in unserem Van aufgebrochen und unsere erste Route ging Richtung Portugal. Wir haben vorher in Deutschland Sachspenden für ein Tierheim in Spanien gesammelt, das auch dem Verein angeschlossen ist, über den wir unseren Ersthund Snoop (Septembermodel) adoptiert haben.

Wir hatten sowieso vor, einen zweiten Hund zu adoptieren und haben bei dem dreitägigen Besuch die Gelegenheit genutzt, Snoop entscheiden zu lassen, mit wem er auskommt. Die Tierheimleiterin hatte sofort Dre vorgeschlagen, weil sie mit allen Hunden mega gut klarkommt und so war es auch. Die zwei könnten zwar auch ohne einander, aber sie können gut miteinander leben.

 

Dre ist ein typischer Jagdhund, wie sie in Massen in Spanien gezüchtet werden und dann nach der Jagdsaison im Tierheim oder der Tötung landen, wenn sie nicht besonders gut waren. Dre hat Angst vor Schüssen und Knallern, also war sie wahrscheinlich nur mäßig geeignet. Am liebsten hätten wir sie alle mitgenommen. Dre hat auch ziemlich gelitten im Tierheim, weil sie mit ca. 8 anderen jungen Hunden im Zwinger war, die sie echt ständig bestiegen haben. Sie ist ein Magnet für Rüden, trotz Kastration und man muss sie echt oft verteidigen. Sie würde draußen komplett jagen, wenn man sie lassen würde, deswegen muss sie immer an der Leine bleiben. Drinnen ist sie der friedlichste und entspannteste, süßeste Hund.

2022 wurde bei Dre ein Tumor an der Nervenwand festgestellt und operiert. Leider ist er nachgewachsen und hat zwischen die Rippen gestreut. Eine OP ist nicht mehr möglich, da der Brustkorb zu instabil werden würde. Auch eine Chemo oder Bestrahlung kommt nicht infrage, da sie die Mittelmeerkrankheit Leishmaniose hat und diese durch ein geschwächtes Immunsystem ausbrechen könnte. Auch wenn Dre durch ihren Tumor nicht mehr so lange lebt, ist es um so wertvoller, dass sie diese Jahre nicht im Tierheim verbringen musste, sondern eine tolle Lebensreise mit uns hatte. Für uns steht fest: Wir werden nur noch Tiere aus dem Tierschutz ein neues Zuhause geben!