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Ein Hundeshooting ohne Druck – warum Ruhe wichtiger ist als perfekte Posen

Aktualisiert: 19. Jan.

Viele Menschen kommen mit einer recht klaren Vorstellung zu mir, wenn sie ein Hundeshooting anfragen. Sie haben Bilder gesehen, sich inspirieren lassen und oft ein ganz konkretes Motiv im Kopf. Ein ruhiger Blick, ein bestimmter Hintergrund, vielleicht sogar eine Pose, die sie irgendwo gespeichert haben. Das ist verständlich. Manche Bilder wirken stark, sie bleiben hängen und erzeugen Erwartungen.



schwarzer Hund liegt auf einer Wiese und schaut in die Kamera
Auch in kurzen Pausen können schöne Bilder entstehen, für die der Hund gar nicht viel machen muss.

Was dabei häufig unterschätzt wird, ist der Hund selbst. Jeder Hund bringt seine eigene Geschichte mit, seine Erfahrungen, seine Tagesform und sein ganz eigenes Tempo. Und genau dort beginnt meine eigentliche Arbeit. Nicht bei der Kamera, nicht bei der Location, sondern beim Beobachten. Das gilt besonders für Welpen, die ihre Umwelt noch ganz anders verarbeiten und deren Belastungsgrenze oft deutlich schneller erreicht ist.


Hunde funktionieren nicht auf Abruf. Sie sind keine Requisiten, die man an einen Ort stellt und die dann liefern. Sie bringen Emotionen mit, Stimmungen, Vorlieben und Grenzen. Manche Hunde sind neugierig und offen, andere zurückhaltend oder schnell überfordert. Manche lassen sich gut anleiten, andere brauchen deutlich mehr Freiraum. All das ist weder gut noch schlecht, sondern schlicht individuell.


Das bedeutet allerdings nicht, dass Planung oder Anleitung in meiner Arbeit keine Rolle spielen. Im Gegenteil. Ich arbeite sehr bewusst mit Positionen, Blickrichtungen und Körperhaltungen. Ich leite die Halter an, gebe klare, ruhige Impulse und schaffe Situationen, in denen starke Bilder entstehen können. Diese Art der Anleitung gibt vielen Haltern und ihren Hunden sogar Sicherheit, weil sie Orientierung bietet.


Genauso wichtig ist es aber, diese Ideen auch wieder loszulassen. Wenn ich merke, dass eine Pose gerade nicht passt, dass der Hund Spannung aufbaut oder sich unwohl fühlt, halte ich nicht daran fest. Dann wird die Situation verändert, vereinfacht oder auch komplett verworfen. Manchmal entstehen gerade in diesen kurzen Pausen Bilder, für die der Hund gar nicht viel machen muss – weil er einfach Hund sein darf.


Ein Shooting bewegt sich deshalb immer zwischen zwei Polen. Auf der einen Seite stehen gezielte Aufnahmen, die bewusst vorbereitet werden. Auf der anderen Seite stehen spontane Momente, die sich ergeben, wenn man dem Hund Raum lässt, sich zu bewegen, zu schauen oder kurz durchzuatmen. Beides gehört zu meiner Arbeit und beides ist gleichwertig.


Woran man ein gutes Shooting erkennt, hat für mich wenig mit der Anzahl der Bilder zu tun. Entscheidend ist, wie sich der Hund währenddessen verhält – ob er sich wohlfühlt und mit Freude bei der Sache ist. Ich achte sehr genau auf Körpersprache, auf kleine Veränderungen, auf Spannung oder Entspannung. Ein Hund, der sich wohlfühlt, bewegt sich anders, schaut anders und wirkt insgesamt präsenter. Diese Feinheiten lassen sich nicht erzwingen. Sie entstehen nur, wenn wir die Signale des Hundes wahrnehmen und ernst nehmen.


Ein großer Teil meiner Arbeit besteht deshalb darin, Erwartungen einzuordnen. Nicht, um sie kleinzureden, sondern um sie realistisch zu machen. Nicht jeder Hund sitzt still. Nicht jeder Blick geht in die Kamera. Und nicht jede Idee lässt sich umsetzen. Das ist kein Mangel, sondern Teil der Individualität deines Hundes – und auf die sollten wir respektvoll Rücksicht nehmen.



Ein Shooting soll für den Hund keine unangenehme Pflicht sein, sondern eine Situation, die er gut bewältigen kann. Im besten Fall ist es eine positive Erfahrung, die neugierig macht und nicht überfordert. Genau diese Haltung prägt meine Arbeit – unabhängig davon, ob Bilder ruhig, bewegt, inszeniert oder spontan entstehen. Gerade bei sensiblen oder unsicheren Hunden spielt diese Herangehensweise eine besonders große Rolle – etwa bei Angsthunden, die neue Situationen sehr viel intensiver wahrnehmen.


Wenn dir wichtig ist, dass dein Hund nicht funktionieren muss, sondern auf seine Bedürfnisse eingegangen wird, dann ist das die Grundlage für ein Shooting, das sich gut anfühlt. Und für Bilder, die nicht nur gut aussehen, sondern auch mit einem guten Gefühl verbunden sind.





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