Welpenshooting – wann der richtige Zeitpunkt ist (und wann eher nicht)
- Biana Clemens
- 25. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Viele Halter kommen mit dem Wunsch nach einem Welpenshooting zu mir, weil sie das Gefühl haben, diese Zeit würde ihnen sonst durch die Finger rutschen. Alles geht so schnell, jeden Tag verändert sich etwas, und irgendwo im Hinterkopf sitzt die Sorge, später zurückzublicken und zu denken: Hätten wir das mal gemacht, als er noch so klein war. Gleichzeitig taucht fast immer Unsicherheit auf. Ob der Welpe dafür überhaupt schon bereit ist. Ob man ihm damit nicht zu viel zumutet. Oder ob es nicht sinnvoller wäre, noch zu warten.

Diese Gedanken sind völlig nachvollziehbar. Welpen sind neugierig, chaotisch, schnell überdreht und genauso schnell wieder müde. Sie kennen ihren Körper noch nicht richtig, ihre Umwelt sowieso nicht. Reize prasseln ungefiltert auf sie ein, und Möglichkeiten zur Selbstregulation entwickeln sich erst mit der Zeit. Genau deshalb ist ein Welpenshooting etwas grundlegend anderes als ein Shooting mit einem erwachsenen Hund.
In meiner Arbeit geht es bei Welpen nicht darum, möglichst früh möglichst perfekte Bilder zu produzieren. Es geht darum, genau hinzuschauen. Zu beobachten, wie sich ein Welpe verhält, wie er neue Situationen verarbeitet, wie schnell er hochfährt und wie gut er wieder zur Ruhe findet. Manche Welpen sind erstaunlich offen und gelassen, andere brauchen deutlich mehr Abstand, Zeit und Sicherheit. Das lässt sich nicht am Alter festmachen und schon gar nicht an einem festen Zeitpunkt im Kalender.
Ich erlebe häufig, dass Halter denken, sie müssten ihren Welpen auf ein Shooting vorbereiten. Sitz, Platz, Blickkontakt. In der Realität spielt das kaum eine Rolle. Ein Welpenshooting ist keine Prüfung und kein Training. Es ist eine Situation, die so gestaltet werden muss, dass der Welpe sie gut bewältigen kann.
Dazu gehört auch die Frage nach dem richtigen Rahmen. In vielen Fällen empfehle ich ein Studioshooting – nicht, weil draußen grundsätzlich etwas dagegen spricht, sondern weil eine ruhige, kontrollierbare Umgebung vielen Welpen entgegenkommt. Weniger Umweltreize, keine fremden Hunde, keine unvorhersehbaren Situationen. Das hilft, die ohnehin kurze Aufmerksamkeitsspanne nicht zusätzlich zu beanspruchen und dem Welpen Sicherheit zu geben.
Auch im Studio arbeite ich nicht starr. Ich nutze kurze Aufmerksamkeitsspannen, gebe ruhige, klare Impulse und halte diese Momente bewusst kurz. Sie sind nie wichtiger als das, was der Hund mir in diesem Augenblick zeigt. Wenn ein Welpe signalisiert, dass ihm etwas zu viel wird, wird nicht überredet, nicht motiviert und nicht „noch schnell ein Bild gemacht“. Dann wird pausiert, Abstand geschaffen oder die Situation verändert.
Ein Welpenshooting besteht aus vielen kleinen Sequenzen. Ein kurzer Moment von Ruhe, dann wieder Bewegung. Erkunden, stehen bleiben, weiterlaufen. Genau daraus entstehen die Bilder. Mir ist dabei wichtig, dass das Shooting für den Hund eine positive Erfahrung ist – ein gemeinsames Erlebnis, das neugierig macht, nicht stresst und im besten Fall sogar Spaß bringt. Diese Haltung ist Teil meiner grundsätzlichen Arbeitsweise in der Hundefotografie und prägt jedes Shooting – unabhängig vom Alter des Hundes.
Viele Halter haben die Sorge, ihr Welpe könnte zu wild, zu unruhig oder zu abgelenkt sein. In meiner Erfahrung sind diese Sorgen oft größer als das eigentliche Problem. Schwieriger wird es dann, wenn sehr feste Erwartungen existieren – wenn ein bestimmtes Bild im Kopf ist, das unbedingt entstehen soll. Gerade bei Welpen funktioniert das selten, und genau deshalb ist es wichtig, offen zu bleiben.
Im Mittelpunkt steht für mich immer der Hund selbst. Ich stelle mich auf ihn ein, nehme seine Signale wahr und ernst. Ich passe Tempo, Ablauf und Ideen an und lasse Dinge bewusst sein, wenn sie dem Welpen nicht guttun. Das Wohl des Hundes steht immer an erster Stelle. Erst daraus ergeben sich die Bilder.
Manchmal rate ich auch ganz bewusst dazu, noch zu warten. Wenn ein Welpe gesundheitlich nicht stabil ist, schnell überfordert wirkt oder sich gerade in einer sehr sensiblen Phase befindet. Manche Welpen zeigen dabei schon sehr feine Stresssignale, ähnlich wie Hunde, die generell sensibel oder unsicher auf neue Situationen reagieren. Ein Shooting läuft nicht weg. Dein Hund entwickelt sich weiter – und oft ist ein späterer Zeitpunkt die deutlich entspanntere Entscheidung. Und glaube mir: Auch eine oder zwei Wochen später ist er immer noch klein und zuckersüß.

Ein Welpenshooting kann eine sehr schöne Erfahrung sein, wenn man bereit ist, Erwartungen loszulassen und sich dem Hund anzupassen. Wenn du unsicher bist, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für deinen Welpen ist, lässt sich das in einem Gespräch meist gut einschätzen. Nicht, um etwas möglich zu machen, sondern um herauszufinden, was sinnvoll ist.
Wenn demnächst ein Welpe bei dir einzieht oder bereits euer Leben auf den Kopf stellt und ihr ein Shooting plant oder noch Fragen habt, melde dich gern bei mir. Dann schauen wir gemeinsam, was für euch und euren Hund der richtige Weg ist.
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